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Offshore-Casinos: Welche Risiken Spielende in der Schweiz tragen

Recht & Regeln · Veröffentlicht · Aktualisiert

Smartphone mit unscharfem Casinospiel in der Nacht als Symbol für Online-Casinos ohne Schweizer Konzession

Wer bei einem Online-Casino ohne Schweizer Konzession spielt, macht sich nicht strafbar. Doch fast alle Schutzregeln des Geldspielrechts fallen weg: bei der Auszahlung, beim Spielerschutz und bei den Steuern. Ein nüchterner Überblick.

Inhalt dieser Seite (10)
  1. Strafbar? Nein. Geschützt? Auch nicht.
  2. Was «keine Schweizer Konzession» bedeutet
  3. Risiko 1: Die Auszahlung
  4. Risiko 2: Fehlender Spielerschutz
  5. Risiko 3: Die Steuern
  6. Risiko 4: Die Durchsetzung nimmt zu
  7. Und wenn man mit VPN spielt?
  8. So erkennen Sie ein legales Angebot
  9. Fazit
  10. Häufige Fragen

Online-Casinos ohne Schweizer Konzession sind im Internet allgegenwärtig: in Suchresultaten, in sozialen Medien, in Videos. Sie werben mit grossen Boni, schnellen Auszahlungen und Lizenzen aus Malta oder Curaçao. Die Frage, die sich viele stellen, ist einfach: Was kann mir passieren, wenn ich dort spiele? Die Antwort hat zwei Seiten. Strafrechtlich wenig. Rechtlich, finanziell und steuerlich dafür umso mehr.

Strafbar? Nein. Geschützt? Auch nicht.

Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) formuliert es auf ihrer Seite zu nicht bewilligten Online-Spielen klar: Spielerinnen und Spieler, die solche Angebote nutzen, machen sich nach dem Geldspielgesetz nicht strafbar. Sie tun dies jedoch auf eigene Gefahr.

Strafbar ist das Anbieten. Nach Art. 130 BGS wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer ohne die nötigen Konzessionen oder Bewilligungen Spielbankenspiele oder Grossspiele durchführt, organisiert oder zur Verfügung stellt. Bei gewerbs- oder bandenmässiger Begehung steigt der Rahmen auf bis zu fünf Jahre. Auch wer wissentlich die technischen Mittel dafür bereitstellt, macht sich strafbar. Werbung für nicht bewilligte Spiele ist verboten und kann nach Art. 131 BGS mit Busse bis CHF 500'000 bestraft werden.

Was «keine Schweizer Konzession» bedeutet

Ein Online-Casino darf in der Schweiz nur Spielbankenspiele anbieten, wenn eine Schweizer Spielbank eine Konzessionserweiterung des Bundesrats besitzt (Art. 9 BGS). Lizenzen aus anderen Ländern ersetzen diese nicht. Ein Anbieter mit einer Lizenz aus Malta oder Curaçao kann im Herkunftsland legal sein und ist in der Schweiz trotzdem nicht bewilligt. Was die beiden Lizenzen bedeuten, erklären die Seiten Online-Casinos mit Malta-Lizenz und Curaçao-Casinos.

Für nicht bewilligte Angebote sieht das Gesetz eine Zugangssperre vor (Art. 86 BGS). Gesperrt werden Spiele von Veranstalterinnen mit Sitz im Ausland oder mit verschleiertem Sitz, die von der Schweiz aus zugänglich sind. ESBK und Gespa führen dafür Sperrlisten, die Fernmeldedienstanbieterinnen setzen sie um.

Risiko 1: Die Auszahlung

Bei Schweizer Anbietern regelt die Geldspielverordnung (VGS) das Spielerkonto genau. Einige Beispiele:

  • Die Spielerin oder der Spieler kann jederzeit verlangen, dass der Aktivsaldo oder ein Teil davon auf das eigene Zahlungskonto überwiesen wird (Art. 50 Abs. 3 VGS).
  • Gewinne und Guthaben dürfen nur auf ein Zahlungskonto auf den Namen der Kontoinhaberin oder des Kontoinhabers gehen (Art. 50 Abs. 2 VGS).
  • Wird ein Konto aufgelöst, wird das Guthaben auf ein Zahlungskonto der Person überwiesen. Ist das nicht möglich, hält der Anbieter es zwei Jahre zur Verfügung, danach geht es bei Spielbanken an den AHV-Ausgleichsfonds (Art. 51 VGS).

Bei einem Offshore-Anbieter gelten diese Regeln nicht. Was mit einem Guthaben passiert, bestimmen allein dessen Geschäftsbedingungen, oft nach ausländischem Recht und mit Gerichtsstand im Ausland. Bei einem Streit um eine verweigerte Auszahlung gibt es in der Schweiz keine Aufsichtsbehörde, die eingreifen kann. Die ESBK beaufsichtigt nur Anbieter mit Schweizer Konzession.

Risiko 2: Fehlender Spielerschutz

Schweizer Online-Casinos müssen eine ganze Reihe von Schutzmassnahmen anbieten:

SchutzregelSchweizer AnbieterOffshore-Anbieter
Pflicht zu Einsatz- oder Verlustlimiten ab KontoeröffnungJa, Art. 87 VGSNicht nach Schweizer Recht
Auszeit bis zu sechs MonatenJa, Art. 89 VGSNicht nach Schweizer Recht
Anschluss an das Schweizer SperrregisterJa, Art. 82 BGSNein
Früherkennung problematischen SpielsJa, Art. 78 BGS, Art. 90 VGSNicht nach Schweizer Recht
Verbot von Darlehen und VorschüssenJa, Art. 75 BGSNicht nach Schweizer Recht
Bewilligungspflicht für Gratisspiele und BoniJa, Art. 75 BGS, Art. 79 VGSNein
Demoversion mit identischer AusschüttungsquoteJa, Art. 78 VGSNicht nach Schweizer Recht

Die Details zeigen, wie weit der Schutz reicht. Die selbst gewählten Höchstwerte müssen jederzeit anpassbar sein; eine Senkung wirkt sofort, eine Erhöhung frühestens nach 24 Stunden (Art. 87 Abs. 4 VGS). Ab der Kontoeröffnung muss zudem jederzeit einsehbar sein, wie hoch Einsätze, Gewinne und das Nettoergebnis in einem bestimmten Zeitraum waren. Beim vorübergehenden Spielausstieg kann die Person selbst wählen, ob er für einzelne Spielkategorien oder für alle Spiele gilt (Art. 89 VGS).

Besonders heikel ist der fehlende Anschluss an das Sperrregister. Wer in der Schweiz gesperrt ist, kann sich bei einem Offshore-Anbieter trotzdem anmelden. Gerade für Menschen, die sich selbst schützen wollen, ist das eine gefährliche Lücke. Wie die Schweizer Sperre funktioniert, erklärt der Beitrag Freiwillige Spielsperre und Time-out.

Risiko 3: Die Steuern

Der wohl am meisten unterschätzte Punkt betrifft die Steuern. Gewinne aus Schweizer Online-Casinos mit Konzession sind ab 2026 bis CHF 1'071'000 pro Gewinn steuerfrei. Diese Befreiung gibt es bei nicht bewilligten Anbietern nicht.

Das Merkblatt ME-NP-22 des Kantons Schwyz hält fest, dass Gewinne aus nicht bewilligten Online-Spielen voll steuerbar sind, ohne Freibetrag. Abziehbar sind die vom Spielerkonto abgebuchten Einsätze, bei der direkten Bundessteuer 2025 und 2026 bis CHF 26'800, im Kanton Schwyz bis CHF 25'000. Der Kanton Thurgau hält in seiner Steuerpraxis ebenfalls fest, dass Gewinne aus ausländischen Casinos, auch online, unabhängig von der Höhe steuerbar sind.

Gewinn CHF 50'000Schweizer Online-CasinoAnbieter ohne Schweizer Bewilligung
FreibetragCHF 1'071'000 (Bund 2026)Keiner
SteuerbarNichtsGewinn abzüglich zulässiger Abzüge
DeklarationNicht nötig für die EinkommenssteuerPflicht, mit Belegen

Mehr dazu im Beitrag Online-Casino-Gewinn in der Steuererklärung.

Risiko 4: Die Durchsetzung nimmt zu

Die Behörden gehen zunehmend gegen illegale Angebote vor. Der Bundesrat meldete am 19. Juni 2026 für das Jahr 2025:

  • 580 neu gesperrte Domains, fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr;
  • 28 Hausdurchsuchungen;
  • 209 offene Strafverfahren;
  • 75 Strafentscheide.

Diese Verfahren richten sich gegen Anbieter und deren Helfer, nicht gegen Spielende. Für Spielende bedeutet eine Sperre aber, dass eine Seite von einem Tag auf den anderen nicht mehr erreichbar sein kann. Wer dort ein Guthaben hat, steht dann vor der Frage, wie er an sein Geld kommt.

Und wenn man mit VPN spielt?

Eine VPN-Verbindung kann die Netzsperre technisch umgehen. Sie ändert aber nichts daran, dass das Angebot in der Schweiz nicht bewilligt ist, und damit nichts an den oben beschriebenen Risiken. Zudem verbieten manche Anbieter in ihren Geschäftsbedingungen den Zugang über VPN; wer dagegen verstösst, riskiert im Streitfall die Einbehaltung von Gewinnen nach den Regeln des Anbieters. Hintergrund dazu auf der Seite Casino und VPN.

So erkennen Sie ein legales Angebot

  1. Liste der ESBK prüfen: Die ESBK veröffentlicht eine Übersicht der bewilligten Online-Spielbanken. Ist ein Anbieter dort nicht aufgeführt, hat er keine Schweizer Konzession.
  2. Verbindung zu einer Schweizer Spielbank: Jedes legale Online-Casino gehört zu einer Spielbank mit Standort in der Schweiz.
  3. Kontoeröffnung: Legale Anbieter verlangen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz und prüfen die Identität (Art. 47 bis 49 VGS).
  4. Limiten: Ein Schweizer Anbieter verlangt schon bei der Kontoeröffnung, dass Sie Limiten festlegen.
  5. Im Zweifel nachfragen: Die ESBK nimmt Anfragen zu einzelnen Angeboten über ihr Kontaktformular entgegen.

Eine Prüfliste gegen unseriöse Seiten bietet zudem der Betrugstest.

Fazit

Wer bei einem Offshore-Casino spielt, begeht keine Straftat. Er verzichtet aber auf fast alles, was das Schweizer Recht zum Schutz der Spielenden vorsieht: verbindliche Auszahlungsregeln, Limiten, Sperren und den hohen Steuerfreibetrag. Das Risiko liegt vollständig bei der spielenden Person.

Wer merkt, dass das Spielen ausser Kontrolle gerät, erreicht SOS Spielsucht rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 0800 040 080.

Häufige Fragen

Mache ich mich strafbar, wenn ich in einem Offshore-Casino spiele?

Nein. Laut ESBK machen sich Spielende nach dem Geldspielgesetz nicht strafbar. Sie spielen aber auf eigene Gefahr und ohne den Schutz des Schweizer Rechts.

Muss ich Gewinne aus einem Offshore-Casino versteuern?

Ja. Gewinne aus nicht bewilligten Online-Spielen sind voll steuerbar, ohne Freibetrag. Abziehbar sind die abgebuchten Einsätze, beim Bund 2025 und 2026 bis CHF 26'800.

Kann die ESBK helfen, wenn ein Offshore-Casino nicht auszahlt?

Nein. Die ESBK beaufsichtigt nur Anbieter mit Schweizer Konzession. Bei ausländischen Anbietern gelten deren Geschäftsbedingungen und das ausländische Recht.

Ist eine Malta-Lizenz in der Schweiz gültig?

Nein. In der Schweiz dürfen Online-Spielbankenspiele nur Spielbanken mit einer Konzessionserweiterung des Bundesrats anbieten. Ausländische Lizenzen ersetzen diese nicht.

Wie erkenne ich ein legales Online-Casino?

Die ESBK veröffentlicht eine Liste der bewilligten Online-Spielbanken. Jedes legale Angebot gehört zu einer Spielbank mit Standort in der Schweiz.

Quellen

  1. Nicht bewilligte Online-Spiele – ESBK
  2. Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), SR 935.51 – Fedlex
  3. Verordnung über Geldspiele (VGS), SR 935.511 – Fedlex
  4. Casinolandschaft im Wandel: Schliessungen und neue Angebote im Jahr 2025 – Bundesrat, 19.06.2026
  5. Merkblatt ME-NP-22 Besteuerung von Geldspielgewinnen – Kanton Schwyz
  6. StP 25 Nr. 6 Gewinne aus Geldspielen – Steuerpraxis Kanton Thurgau
  7. SOS Spielsucht – Beratung

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