Online-Casino-Gewinn in der Steuererklärung: Freibetrag, Abzüge, Formular
Steuern · Veröffentlicht · Aktualisiert

Gewinne aus Schweizer Online-Casinos sind bis zu einem hohen Freibetrag steuerfrei. Wird er überschritten, zieht der Anbieter 35 Prozent Verrechnungssteuer ab. Wer weiss, wie die Deklaration funktioniert, holt diese zurück und nutzt die zulässigen Abzüge.
Inhalt dieser Seite (12)
- Die Ausgangslage: drei Kategorien
- Der Freibetrag und seine Entwicklung
- Was bei der Auszahlung passiert
- Die Abzüge
- Bund und Kanton rechnen verschieden
- Online oder vor Ort: derselbe Gewinn, andere Folgen
- Sachgewinne und Jackpots
- Zu welchem Satz wird besteuert?
- Deklaration Schritt für Schritt
- Gewinne aus nicht bewilligten Online-Casinos
- Häufige Missverständnisse
- Häufige Fragen
Wer in einem Schweizer Online-Casino gewinnt, muss sich in den allermeisten Fällen keine Gedanken über Steuern machen. Der Freibetrag liegt so hoch, dass nur Millionengewinne überhaupt betroffen sind. Für diese wenigen Fälle lohnt sich aber ein genauer Blick, denn bei der Auszahlung wird automatisch ein grosser Betrag einbehalten. Ob er zurückkommt, hängt von der korrekten Deklaration ab.
Die Ausgangslage: drei Kategorien
Das Schweizer Steuerrecht teilt Geldspielgewinne in drei Gruppen ein. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) beschreibt sie in ihrer Erläuterung zum Geldspielgesetz:
- Schweizer Spielbanken vor Ort: Gewinne sind steuerfrei, unabhängig von der Höhe.
- Online-Spielbankenspiele und Grossspiele mit Schweizer Bewilligung: Gewinne sind bis zu einem Freibetrag steuerfrei. Darüber werden 35 Prozent Verrechnungssteuer abgezogen.
- Ausländische Geldspiele: Gewinne sind voll steuerbares Einkommen. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag: Casinogewinn im Ausland versteuern.
Der Freibetrag und seine Entwicklung
Der Freibetrag für Online-Spielbankenspiele und Grossspiele wird regelmässig an die Teuerung angepasst. Massgebend ist laut ESTV der Landesindex der Konsumentenpreise per 30. Juni. Die Beträge der letzten Jahre:
| Zeitraum | Freibetrag pro Gewinn |
|---|---|
| 2019 bis 2022 | CHF 1'000'000 |
| 2023 | CHF 1'038'300 |
| 2024 | CHF 1'056'600 |
| 2025 | CHF 1'070'400 |
| ab 2026 | CHF 1'071'000 |
Diese Werte gelten für die Verrechnungssteuer und für die direkte Bundessteuer. Die Kantone können eigene Beträge festlegen. Der Kanton Schwyz etwa nennt in seinem Merkblatt ME-NP-22 für die Kantonssteuer weiterhin CHF 1 Mio. Wer einen grossen Gewinn erzielt, sollte deshalb das Merkblatt des Wohnkantons konsultieren.
Jeder Gewinn zählt einzeln
Ein wichtiger Punkt aus dem Schwyzer Merkblatt: Mehrere Gewinne in derselben Steuerperiode werden nicht zusammengerechnet. Der Freibetrag gilt pro Gewinn. Wer im Januar CHF 600'000 und im Juli CHF 700'000 gewinnt, überschreitet den Freibetrag mit keinem der beiden Gewinne, obwohl die Summe darüber liegt.
Was bei der Auszahlung passiert
Übersteigt ein einzelner Gewinn den Freibetrag, muss der Anbieter auf dem übersteigenden Teil 35 Prozent Verrechnungssteuer abziehen und der ESTV melden. Die ESTV nennt dafür das Formular 121. Bei Sachgewinnen gilt Formular 122, das innert 90 Tagen einzureichen ist.
Ein Rechenbeispiel für das Jahr 2026:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Gewinn in einem Schweizer Online-Casino | CHF 1'200'000 |
| Freibetrag 2026 | CHF 1'071'000 |
| Übersteigender Teil | CHF 129'000 |
| Verrechnungssteuer 35 Prozent | CHF 45'150 |
| Auszahlung an die Spielerin oder den Spieler | CHF 1'154'850 |
Die CHF 45'150 sind nicht verloren. Die Verrechnungssteuer ist eine Sicherungssteuer: Sie wird zurückerstattet oder angerechnet, wenn der Gewinn korrekt in der Steuererklärung deklariert wird.
Die Abzüge
Steuerbar ist nur der Teil über dem Freibetrag. Davon dürfen gemäss Schwyzer Merkblatt bestimmte Kosten abgezogen werden. Das Merkblatt nennt zwei Arten:
- Einsatzkosten: 5 Prozent des Gewinns, beim Bund 2025 und 2026 höchstens CHF 5400, im Kanton Schwyz höchstens CHF 5000.
- Online-Einsätze: Bei Online-Spielen die vom Spielerkonto abgebuchten Einsätze, beim Bund 2025 und 2026 höchstens CHF 26'800, im Kanton Schwyz höchstens CHF 25'000.
Für frühere Jahre lagen die Höchstbeträge beim Bund tiefer:
| Steuerjahr | Einsatzkosten (Bund) | Online-Einsätze (Bund) |
|---|---|---|
| 2023 | höchstens CHF 5200 | höchstens CHF 26'000 |
| 2024 | höchstens CHF 5300 | höchstens CHF 26'400 |
| 2025 und 2026 | höchstens CHF 5400 | höchstens CHF 26'800 |
Wie die beiden Abzüge im Einzelfall zusammenspielen, regelt jeder Kanton in seiner Praxis. Die Kontoauszüge des Online-Casinos sind dafür der wichtigste Beleg: Schweizer Anbieter müssen jederzeit einfach zugänglich machen, wie hoch Einsätze, Gewinne und Nettoergebnis in einem bestimmten Zeitraum waren (Art. 87 Abs. 1 VGS).
Bund und Kanton rechnen verschieden
Weil Bund und Kantone eigene Freibeträge kennen können, entstehen bei grossen Gewinnen zwei unterschiedliche steuerbare Beträge. Am Beispiel des Kantons Schwyz und eines Gewinns von CHF 1'200'000 im Jahr 2026:
| Ebene | Freibetrag | Übersteigender Teil vor Abzügen |
|---|---|---|
| Direkte Bundessteuer | CHF 1'071'000 | CHF 129'000 |
| Kantonssteuer Schwyz | CHF 1'000'000 | CHF 200'000 |
Von diesen Beträgen gehen anschliessend die zulässigen Abzüge weg. Wer in einem anderen Kanton wohnt, ersetzt die Schwyzer Werte durch jene des eigenen Kantons.
Online oder vor Ort: derselbe Gewinn, andere Folgen
Ein Vergleich zeigt, wie stark der Ort des Spiels zählt. Angenommen, jemand gewinnt CHF 1'500'000:
- In einer Schweizer Spielbank vor Ort: Der Gewinn ist laut ESTV steuerfrei. Es wird keine Verrechnungssteuer abgezogen.
- In einem Schweizer Online-Casino mit Konzession: Steuerfrei bis CHF 1'071'000 beim Bund. Auf den übersteigenden CHF 429'000 werden 35 Prozent Verrechnungssteuer abgezogen, also CHF 150'150, die bei korrekter Deklaration zurückkommen. Steuerbar ist der übersteigende Teil abzüglich der zulässigen Abzüge.
- In einem Online-Casino ohne Schweizer Bewilligung: Der ganze Gewinn ist steuerbar, ohne Freibetrag.
Sachgewinne und Jackpots
Nicht jeder Gewinn ist Geld. Bei Sachgewinnen über dem Freibetrag meldet der Anbieter den Gewinn mit Formular 122 innert 90 Tagen an die ESTV. Bewertet wird gemäss Schwyzer Merkblatt zum Marktwert. Ein Auto oder eine Reise wird also mit dem Preis bewertet, der auf dem Markt dafür bezahlt würde. Wie Jackpots in der Schweiz funktionieren, erklärt der Beitrag Jackpots in Schweizer Spielbanken.
Zu welchem Satz wird besteuert?
Die Kantone gehen hier unterschiedlich vor. Der Kanton Schwyz besteuert inländische Geldspielgewinne über dem Freibetrag gesondert zu 15 Prozent. Bei der direkten Bundessteuer gilt der ordentliche Tarif nach Art. 36 DBG. In anderen Kantonen kann der Gewinn zusammen mit dem übrigen Einkommen besteuert werden.
Deklaration Schritt für Schritt
- Gewinnbestätigung verlangen: Der Anbieter stellt einen Beleg aus, aus dem Bruttogewinn, Freibetrag und abgezogene Verrechnungssteuer hervorgehen.
- Steuerperiode bestimmen: Massgebend ist laut Schwyzer Merkblatt der Tag, an dem der Anspruch entsteht, nicht der Tag der Auszahlung.
- Im Wertschriftenverzeichnis eintragen: Der Gewinn gehört mit den Originalbelegen ins Wertschriftenverzeichnis. Damit wird die Verrechnungssteuer zurückgefordert.
- Abzüge geltend machen: Einsatzkosten und gegebenenfalls Online-Einsätze mit Kontoauszügen belegen.
Gewinne aus nicht bewilligten Online-Casinos
Die Steuerfreiheit bis zum Freibetrag gilt nur für Angebote mit Schweizer Konzession. Gewinne aus nicht bewilligten Online-Spielen sind gemäss Schwyzer Merkblatt voll steuerbar, ohne Freibetrag. Abziehbar sind die abgebuchten Einsätze bis zu den genannten Höchstbeträgen. Wer bei einem Offshore-Anbieter gewinnt, verliert damit den grössten Steuervorteil des legalen Angebots. Welche weiteren Risiken bestehen, erklärt der Beitrag Offshore-Casinos: Was Spieler riskieren.
Häufige Missverständnisse
- «Unter einer Million ist alles steuerfrei.» Das stimmt nur für Schweizer Online-Casinos mit Konzession. Kantone können tiefere Freibeträge kennen, und ausländische Gewinne sind immer steuerbar.
- «Die Verrechnungssteuer ist die endgültige Steuer.» Nein. Sie wird bei korrekter Deklaration zurückerstattet; geschuldet ist die ordentliche Einkommenssteuer.
- «Verluste reduzieren den Gewinn.» Verluste lassen sich nicht frei verrechnen. Zulässig sind nur die Abzüge, die das kantonale Merkblatt nennt.
- «Ein Bonusguthaben ist ein Gewinn.» Ein Gratisspielguthaben gehört nicht zum Aktivsaldo des Spielerkontos (Art. 50 Abs. 3 VGS). Steuerlich relevant wird erst, was als Gewinn ausbezahlt werden kann.
Wer bei legalen Anbietern spielen will, findet Informationen auf der Seite Echtgeld-Casinos und im Überblick Glücksspiel in der Schweiz. Für Fragen zur Verrechnungssteuer ist die ESTV unter [email protected] erreichbar.
Spielen sollte Unterhaltung bleiben. SOS Spielsucht berät rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 0800 040 080.
Häufige Fragen
Ab welchem Betrag muss ich einen Online-Casino-Gewinn versteuern?
Bei Schweizer Online-Casinos mit Konzession gilt ab 2026 ein Freibetrag von CHF 1'071'000 pro Gewinn. Kantone können eigene Beträge festlegen, der Kanton Schwyz etwa CHF 1 Mio.
Werden mehrere Gewinne im Jahr zusammengezählt?
Nein. Gemäss Merkblatt des Kantons Schwyz wird jeder Gewinn einzeln beurteilt. Der Freibetrag gilt pro Gewinn.
Bekomme ich die 35 Prozent Verrechnungssteuer zurück?
Ja, wenn der Gewinn mit den Belegen im Wertschriftenverzeichnis deklariert wird. Geschuldet bleibt die ordentliche Einkommenssteuer auf dem steuerbaren Teil.
Kann ich meine Einsätze abziehen?
Für Online-Spiele erlaubt der Kanton Schwyz den Abzug der abgebuchten Einsätze, beim Bund 2025 und 2026 bis CHF 26'800, kantonal bis CHF 25'000. Andere Kantone können eigene Regeln haben.
Gilt der Freibetrag auch bei ausländischen Online-Casinos?
Nein. Gewinne aus Online-Spielen ohne Schweizer Bewilligung sind voll steuerbar, ohne Freibetrag.
Quellen
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