RTP und Volatilität einfach erklärt: Was Ausschüttungsquote und Schwankung aussagen
Spiele · Veröffentlicht · Aktualisiert

In der Spielinfo fast jedes Online-Spielautomaten steht eine Prozentzahl: der RTP. Dazu kommt oft ein Hinweis auf die Volatilität. Beide Werte beschreiben ein Spiel, aber auf ganz unterschiedliche Weise. Wer sie versteht, kann Erwartungen realistisch einschätzen.
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Wer bei einem Spielautomaten die Spielinformation öffnet, findet dort meist eine Angabe wie «RTP 96,2 %». Manche Spiele weisen zusätzlich auf eine hohe, mittlere oder tiefe Volatilität hin. Beide Begriffe tauchen auch in Bonusbedingungen und Spielbeschreibungen auf. Sie werden aber oft missverstanden. Ein RTP von 96 Prozent heisst nicht, dass man von CHF 100 sicher CHF 96 zurückbekommt. Und eine hohe Volatilität heisst nicht, dass ein Spiel besser oder schlechter ist.
RTP: die Ausschüttungsquote
RTP steht für «Return to Player», auf Deutsch Ausschüttungsquote. Sie gibt an, welcher Anteil aller Einsätze an einem Spiel langfristig im Durchschnitt als Gewinne an die Spielenden zurückfliesst. Der Rest ist der Hausvorteil, also der Ertrag des Casinos.
Hausvorteil = 100 % − RTP
| RTP | Hausvorteil | Erwarteter Verlust pro CHF 1000 Einsatz |
|---|---|---|
| 98 % | 2 % | CHF 20 |
| 97 % | 3 % | CHF 30 |
| 96 % | 4 % | CHF 40 |
| 94 % | 6 % | CHF 60 |
| 92 % | 8 % | CHF 80 |
Wichtig ist der Begriff «Einsatz». Gemeint ist die Summe aller Einsätze, nicht das mitgebrachte Budget. Wer mit CHF 100 an einen Automaten geht und Gewinne immer wieder einsetzt, kann leicht CHF 1000 oder mehr umsetzen. Bei 96 Prozent RTP entspricht das einem erwarteten Verlust von CHF 40, obwohl man nur CHF 100 mitgebracht hat.
Warum der RTP nur langfristig gilt
Der RTP ist ein theoretischer Durchschnitt über eine sehr grosse Zahl von Spielen. In einer einzelnen Sitzung kann das Ergebnis weit davon abweichen. Wer 100 Drehungen à CHF 1 spielt, setzt CHF 100 um. Theoretisch kämen CHF 96 zurück. Tatsächlich kann man nach diesen 100 Drehungen CHF 20 oder CHF 300 auf dem Konto haben. Je mehr Spiele man macht, desto näher rückt das eigene Ergebnis in der Regel an den Durchschnitt heran, und zwar in Richtung des Hausvorteils.
Daraus folgt: Kein Spielverhalten verändert den RTP. Längeres Spielen erhöht die Gewinnchancen nicht. Das Schweizer Recht stuft eine solche Botschaft in der Werbung sogar als irreführend ein (Art. 77 Abs. 1 Bst. b VGS). Ebenso irreführend ist der Eindruck, Wissen oder Geschicklichkeit beeinflussten die Gewinnchance, wenn das bei einem Spiel nicht zutrifft (Art. 77 Abs. 1 Bst. a VGS).
Volatilität: wie stark es schwankt
Zwei Spielautomaten können denselben RTP haben und sich trotzdem völlig unterschiedlich anfühlen. Der Unterschied liegt in der Volatilität, manchmal auch Varianz genannt. Sie beschreibt, wie die Ausschüttung verteilt ist.
| Volatilität | Typisches Muster | Folge für das Budget |
|---|---|---|
| Tief | Häufige, eher kleine Gewinne | Das Guthaben schwankt wenig und hält meist länger |
| Mittel | Mischung aus kleinen und gelegentlich grösseren Gewinnen | Moderate Schwankungen |
| Hoch | Lange Phasen ohne nennenswerte Gewinne, dafür seltene grosse Treffer | Das Guthaben kann schnell aufgebraucht sein, ein grosser Gewinn ist aber möglich |
Ein vereinfachtes Beispiel macht den Unterschied sichtbar. Zwei Spiele haben beide einen RTP von 96 Prozent:
| Spiel | Gewinnchance pro Drehung | Gewinn bei Treffer (Einsatz CHF 1) | RTP |
|---|---|---|---|
| Spiel A, tiefe Volatilität | 1 zu 2 | CHF 1.92 | 0,5 × 1,92 = 96 % |
| Spiel B, hohe Volatilität | 1 zu 1000 | CHF 960 | 0,001 × 960 = 96 % |
Bei Spiel A gewinnt man etwa jede zweite Runde einen kleinen Betrag. Bei Spiel B kann man Hunderte Male hintereinander verlieren, bevor ein grosser Gewinn kommt, oder er kommt während der ganzen Sitzung nie. Langfristig zahlen beide Spiele gleich viel aus. Für das eigene Budget und das Spielgefühl sind sie aber grundverschieden. Echte Spielautomaten haben viele Gewinnstufen gleichzeitig; das Prinzip bleibt dasselbe.
Vom RTP zum Verlust pro Stunde
Für die eigene Planung ist eine andere Grösse oft nützlicher als der RTP selbst: der erwartete Verlust pro Stunde. Er hängt von drei Faktoren ab.
Erwarteter Verlust pro Stunde = Einsatz pro Runde × Runden pro Stunde × Hausvorteil
Die Zahl der Runden pro Stunde ist dabei der unterschätzte Faktor. Ein Spielautomat mit schnellem Spiel oder Autoplay kommt auf deutlich mehr Runden als ein Tischspiel. Drei Rechenbeispiele mit angenommenen Werten:
| Szenario | Einsatz pro Runde | Runden pro Stunde (Annahme) | Hausvorteil | Erwarteter Verlust pro Stunde |
|---|---|---|---|---|
| Automat, gemächlich | CHF 1 | 300 | 4 % | CHF 12 |
| Automat, schnell | CHF 1 | 800 | 4 % | CHF 32 |
| Roulette am Tisch | CHF 5 | 40 | 2,7 % | rund CHF 5.40 |
Das Beispiel zeigt: Ein etwas höherer RTP bringt wenig, wenn man gleichzeitig doppelt so schnell spielt. Wer sein Budget schonen will, achtet auf Einsatz und Tempo mindestens so sehr wie auf die Ausschüttungsquote. Schweizer Online-Casinos zeigen zudem jederzeit an, wie hoch Einsätze, Gewinne und Nettoergebnis in einem bestimmten Zeitraum waren (Art. 87 Abs. 1 VGS). So lässt sich die Rechnung mit den eigenen Zahlen überprüfen.
Beispiel Roulette: Hausvorteil nachgerechnet
Bei Tischspielen lässt sich der Hausvorteil direkt aus den Regeln berechnen. Europäisches Roulette hat 37 Felder: die Zahlen 1 bis 36 und die Null.
| Einsatz | Gewinnende Felder | Auszahlung | Erwarteter Rückfluss pro CHF 37 Einsatz | Hausvorteil |
|---|---|---|---|---|
| Einzelne Zahl (Plein) | 1 von 37 | 35 zu 1 | CHF 36 | 1/37 ≈ 2,7 % |
| Rot oder Schwarz | 18 von 37 | 1 zu 1 | CHF 36 | 1/37 ≈ 2,7 % |
| Dutzend | 12 von 37 | 2 zu 1 | CHF 36 | 1/37 ≈ 2,7 % |
Der RTP liegt also bei 36/37, rund 97,3 Prozent, egal ob man auf eine Zahl oder auf eine Farbe setzt. Unterschiedlich ist nur die Volatilität: Wer auf eine einzelne Zahl setzt, gewinnt selten, dann aber das 35-Fache. Wer auf Rot setzt, gewinnt fast jede zweite Runde, aber nur den Einsatz. Mehr zum Spiel auf der Seite Roulette. Bei Blackjack hängt der Hausvorteil von den genauen Tischregeln und vom Spielverhalten ab; die Grundlagen erklärt die Seite Blackjack.
Wo man den RTP findet
Bei Online-Spielautomaten steht der RTP üblicherweise in der Spielinformation oder in den Spielregeln, die sich über ein Info-Symbol öffnen lassen. Die Spielbanken und Veranstalterinnen von Grossspielen müssen den Spielenden die zur Spielteilnahme erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen (Art. 44 BGS). In seiner Antwort auf die Interpellation 22.3541 zu Lootboxen nannte der Bundesrat in diesem Zusammenhang ausdrücklich Informationen zu den Auszahlungsquoten. Welche Hersteller hinter den Spielen stehen, zeigt die Seite Casino-Software.
RTP im Demo-Modus
Eine Schweizer Besonderheit betrifft die Gratisversionen. Bietet ein Schweizer Anbieter neben dem Echtgeldspiel eine Demoversion an, müssen die Spielmerkmale identisch sein, insbesondere die simulierte Ausschüttungsquote (Art. 78 VGS). Eine Demo darf also nicht grosszügiger auszahlen als das Original. Bei Offshore-Casinos ohne Schweizer Konzession gilt diese Vorgabe nicht. Mehr dazu im Beitrag Demo-Modus und Spielgeld.
Was RTP und Volatilität für Boni bedeuten
Beim Umsetzen eines Bonus spielen beide Werte eine Rolle. Der RTP bestimmt, wie viel man beim Erfüllen der Umsatzbedingungen im Durchschnitt verliert: ungefähr Umsatz mal Hausvorteil. Die Volatilität bestimmt, wie wahrscheinlich es ist, dass das Guthaben schon vorher aufgebraucht ist. Die Rechnung im Detail zeigt der Beitrag Umsatzbedingungen berechnen.
Die wichtigsten Punkte
- Der RTP ist ein langfristiger Durchschnitt, keine Garantie für eine Sitzung.
- Der Hausvorteil wirkt auf jeden eingesetzten Franken, auch auf wieder eingesetzte Gewinne.
- Volatilität verändert nicht, wie viel ein Spiel langfristig auszahlt, sondern wie ungleichmässig.
- Kein System und keine Einsatzstrategie verändert den RTP eines Zufallsspiels.
- Ein höherer RTP senkt den erwarteten Verlust, schliesst Verluste aber nicht aus.
Wer diese Zahlen kennt, spielt nicht mit besseren Chancen, aber mit realistischeren Erwartungen. Ein festes Budget und Pausen sind wirksamer als jede Strategie. Wer merkt, dass er Verlusten hinterherjagt, erreicht SOS Spielsucht rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 0800 040 080.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein RTP von 96 Prozent?
Langfristig fliessen im Durchschnitt 96 Prozent aller Einsätze als Gewinne zurück, 4 Prozent bleiben beim Casino. In einer einzelnen Sitzung kann das Ergebnis stark abweichen.
Ist ein Spiel mit hoher Volatilität besser?
Nicht besser und nicht schlechter. Es zahlt seltener, dafür grösser aus. Bei gleichem RTP ist der langfristige Durchschnitt derselbe, die Schwankungen sind grösser.
Wie hoch ist der Hausvorteil beim Roulette?
Bei europäischem Roulette mit einer Null beträgt er 1/37, rund 2,7 Prozent. Das gilt für einzelne Zahlen genauso wie für Rot oder Schwarz.
Kann ich den RTP durch eine Strategie verbessern?
Nein. Bei reinen Zufallsspielen verändert keine Einsatzstrategie die Ausschüttungsquote. Längeres Spielen erhöht die Gewinnchancen nicht.
Zahlt die Demoversion gleich aus wie das Echtgeldspiel?
Bei Schweizer Anbietern muss die simulierte Ausschüttungsquote der Demo identisch sein (Art. 78 VGS). Bei Offshore-Casinos gibt es keine solche Vorgabe.
Quellen
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