Casinogewinn im Ausland: Warum er in der Schweiz steuerpflichtig ist
Steuern · Veröffentlicht · Aktualisiert

Ein Abend in einer Spielbank jenseits der Grenze ist für viele in Basel, Genf oder im Tessin nur ein kurzer Ausflug. Steuerlich ist er das nicht: Was in Schweizer Spielbanken steuerfrei wäre, ist im Ausland gewonnen voll steuerbares Einkommen.
Inhalt dieser Seite (10)
- Die Grundregel: Inland steuerfrei, Ausland steuerbar
- Was abgezogen werden darf
- Zu welchem Satz wird besteuert?
- Doppelbesteuerung: Das Risiko an der Grenze
- Deklaration: Wann und wo
- Typische Fälle aus der Praxis
- Checkliste für die Steuererklärung
- Online im Ausland: Gleiche Regel, mehr Risiko
- Die Alternative im Inland
- Häufige Fragen
Das Schweizer Steuerrecht unterscheidet bei Geldspielgewinnen streng nach dem Ort des Spiels und nach der Bewilligung des Anbieters. Wer in einer Schweizer Spielbank gewinnt, muss den Gewinn nicht versteuern. Wer denselben Betrag in einer Spielbank in Deutschland, Frankreich, Italien oder Österreich gewinnt, hat steuerbares Einkommen. Diese Regel überrascht viele Grenzgängerinnen und Ausflügler, ist aber in den Merkblättern der Steuerbehörden klar beschrieben.
Die Grundregel: Inland steuerfrei, Ausland steuerbar
Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hält in ihrer Erläuterung zur verrechnungssteuerlichen Behandlung von Geldspielgewinnen fest, dass Gewinne in Schweizer Spielbanken steuerfrei sind. Für Gewinne aus Online-Spielbankenspielen und Grossspielen mit Schweizer Bewilligung gilt ein Freibetrag. Gewinne aus dem Ausland fallen nicht unter diese Befreiungen.
Das Merkblatt ME-NP-22 des Kantons Schwyz zur Besteuerung von Geldspielgewinnen (Stand 19. Mai 2026) formuliert es ausdrücklich: Gewinne aus ausländischen Geldspielen sind vollumfänglich als Einkommen steuerbar, gestützt auf Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) und das kantonale Steuergesetz. Einen Freibetrag oder eine Freigrenze gibt es nicht. Als Beispiele nennt das Merkblatt einen Gewinn in einem Casino in Frankreich und einen Gewinn auf dem Online-Portal eines italienischen Casinos.
Der Kanton Thurgau kommt in seiner Steuerpraxis zum gleichen Ergebnis: Gewinne aus ausländischen Lotterien und Casinos, landbasiert wie online, sind unabhängig von ihrer Höhe steuerbar.
| Wo gewonnen? | Einkommenssteuer | Verrechnungssteuer |
|---|---|---|
| Schweizer Spielbank (landbasiert) | Steuerfrei | Keine |
| Schweizer Online-Casino mit Konzession | Steuerfrei bis zum Freibetrag, darüber steuerbar | 35 Prozent auf dem Teil über dem Freibetrag |
| Spielbank im Ausland | Voll steuerbar, kein Freibetrag | Keine |
| Online-Casino im Ausland ohne Schweizer Bewilligung | Voll steuerbar, kein Freibetrag | Gewinn vollständig deklarieren |
Was abgezogen werden darf
Steuerbar ist nicht automatisch der ganze Bruttogewinn. Das Schwyzer Merkblatt erlaubt bei Gewinnen aus Geldspielen im Ausland einen pauschalen Abzug für Einsatzkosten von 5 Prozent des Bruttogewinns. Die Obergrenze unterscheidet sich zwischen Kanton und Bund und wurde beim Bund mehrfach angepasst:
| Steuerjahr | Direkte Bundessteuer: Abzug Einsatzkosten | Kantonssteuer Schwyz |
|---|---|---|
| 2023 | 5 Prozent, höchstens CHF 5200 | 5 Prozent, höchstens CHF 5000 |
| 2024 | 5 Prozent, höchstens CHF 5300 | 5 Prozent, höchstens CHF 5000 |
| 2025 und 2026 | 5 Prozent, höchstens CHF 5400 | 5 Prozent, höchstens CHF 5000 |
Andere Kantone können eigene Beträge kennen. Wer nicht im Kanton Schwyz wohnt, prüft deshalb das Merkblatt der eigenen kantonalen Steuerverwaltung.
Rechenbeispiel
Ein Beispiel mit runden Zahlen zeigt die Wirkung. Angenommen, jemand gewinnt im Steuerjahr 2026 in einer ausländischen Spielbank CHF 40'000:
- 5 Prozent von CHF 40'000 ergeben CHF 2000.
- Dieser Betrag liegt unter der Obergrenze von CHF 5400 beim Bund und CHF 5000 im Kanton Schwyz.
- Steuerbar sind damit CHF 38'000, zusammen mit dem übrigen Einkommen.
Bei einem Gewinn von CHF 200'000 wären 5 Prozent CHF 10'000. Hier greift die Obergrenze: Abziehbar sind beim Bund nur CHF 5400, im Kanton Schwyz CHF 5000.
Zu welchem Satz wird besteuert?
Für inländische Geldspielgewinne über dem Freibetrag kennt der Kanton Schwyz eine gesonderte Besteuerung zu 15 Prozent. Gewinne aus dem Ausland werden dagegen zum ordentlichen Tarif besteuert, zusammen mit dem übrigen Einkommen. Bei der direkten Bundessteuer gilt ebenfalls der ordentliche Tarif nach Art. 36 DBG. Ein grosser Gewinn kann deshalb das ganze Einkommen in eine höhere Progressionsstufe schieben.
Doppelbesteuerung: Das Risiko an der Grenze
Viele Spielbanken jenseits der Grenze ziehen keine Steuer ab. Es gibt aber Länder, die Gewinne an der Quelle besteuern. Das Schwyzer Merkblatt weist darauf hin, dass viele Doppelbesteuerungsabkommen Geldspielgewinne nicht erfassen, und nennt als Beispiele die Abkommen mit den USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. In solchen Fällen ist eine doppelte Besteuerung möglich: einmal im Spielland, einmal in der Schweiz.
Wer im Ausland mit einem Steuerabzug konfrontiert wird, sollte alle Belege aufbewahren und vor der Deklaration mit der kantonalen Steuerverwaltung klären, ob und wie die ausländische Steuer berücksichtigt werden kann.
Deklaration: Wann und wo
Gemäss Schwyzer Merkblatt werden Geldspielgewinne im Wertschriftenverzeichnis aufgeführt, mit den Originalbelegen. Massgebend ist die Steuerperiode, in welcher der Anspruch entstanden ist, also zum Beispiel das Datum der Ziehung oder des Spiels, nicht der Tag der Auszahlung. Sachgewinne werden zum Marktwert bewertet.
Praktisch heisst das:
- Belege sammeln: Quittung der Spielbank, Auszahlungsbeleg oder Kontoauszug.
- Datum notieren: Ein Gewinn vom 31. Dezember gehört ins alte Steuerjahr, auch wenn das Geld erst im Januar ankommt.
- Verluste: Verluste an anderen Abenden lassen sich nicht einfach gegen den Gewinn verrechnen. Abziehbar ist nur die Pauschale für Einsatzkosten.
Typische Fälle aus der Praxis
Der Gewinn in den Ferien
Ob der Gewinn an der Grenze oder in einer weit entfernten Ferienstadt anfällt, spielt für die Schweizer Steuer keine Rolle. Massgebend ist, dass es sich um ein Geldspiel im Ausland handelt. Gerade bei Reisen in die USA ist Vorsicht geboten: Das Schwyzer Merkblatt nennt das Abkommen mit den USA ausdrücklich unter jenen, die Geldspielgewinne nicht erfassen.
Der Sachgewinn
Nicht jeder Gewinn wird bar ausbezahlt. Gewinnt jemand bei einer Verlosung in einer ausländischen Spielbank ein Auto oder eine Reise, gilt laut Merkblatt der Marktwert als Gewinn. Auch dieser Wert gehört in die Steuererklärung.
Mehrere kleine Gewinne
Wer regelmässig ennet der Grenze spielt und mehrmals im Jahr gewinnt, muss jeden Gewinn deklarieren. Weil es keinen Freibetrag gibt, sind auch kleine Beträge steuerbar. Eine saubere Aufstellung mit Datum, Ort und Betrag erleichtert die Deklaration und allfällige Rückfragen.
Wer berufsmässig spielt
Das Schwyzer Merkblatt hält zudem fest, dass Personen, die Geldspiele berufsmässig betreiben, als Selbständigerwerbende besteuert werden. Für sie gelten andere Regeln als für Freizeitspielerinnen und -spieler, etwa bei Abzügen und Sozialversicherungen. Wer regelmässig und mit Gewinnabsicht spielt, sollte die Einordnung mit der Steuerverwaltung klären.
Checkliste für die Steuererklärung
- Alle Gewinne aus ausländischen Spielbanken und Online-Seiten im Steuerjahr auflisten.
- Datum des Spiels erfassen, nicht das Datum der Auszahlung.
- Bruttogewinn in Franken umrechnen und Belege beilegen.
- Pauschalabzug von 5 Prozent berechnen und die Obergrenze von Bund und Kanton beachten.
- Gewinne im Wertschriftenverzeichnis aufführen.
- Bei ausländischem Steuerabzug die Belege aufbewahren und die kantonale Steuerverwaltung kontaktieren.
Online im Ausland: Gleiche Regel, mehr Risiko
Das Schwyzer Beispiel mit dem italienischen Online-Portal zeigt, dass die Regel nicht nur für Spielbanken aus Stein gilt. Wer von der Schweiz aus auf ausländischen Online-Seiten spielt, hat zudem mit Anbietern ohne Schweizer Konzession zu tun. Für Gewinne aus nicht bewilligten Online-Spielen gibt es keinen Freibetrag; das Merkblatt erlaubt dort den Abzug der vom Spielerkonto abgebuchten Einsätze, beim Bund 2025 und 2026 bis CHF 26'800, im Kanton Schwyz bis CHF 25'000. Mehr zu den Risiken solcher Angebote erklären die Seiten Online-Casinos im Ausland und der Beitrag Offshore-Casinos: Was Spieler riskieren.
Die Alternative im Inland
Wer in Grenznähe wohnt, findet auch auf Schweizer Seite Spielbanken, etwa in Basel, Genf oder Lugano. Dort bleibt ein Gewinn steuerfrei. Wie Gewinne aus Schweizer Online-Casinos deklariert werden, erklärt der Beitrag Online-Casino-Gewinn in der Steuererklärung.
Spielen sollte in jedem Fall Unterhaltung bleiben. SOS Spielsucht berät rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 0800 040 080.
Häufige Fragen
Muss ich einen Gewinn aus einer Spielbank in Deutschland versteuern?
Ja. Gewinne aus ausländischen Spielbanken gelten in der Schweiz als Einkommen und sind ohne Freibetrag steuerbar. Nur Gewinne aus Schweizer Spielbanken sind steuerfrei.
Kann ich meine Einsätze abziehen?
Abziehbar ist eine Pauschale von 5 Prozent des Bruttogewinns als Einsatzkosten. Bei der direkten Bundessteuer liegt die Obergrenze 2025 und 2026 bei CHF 5400, im Kanton Schwyz bei CHF 5000.
Gibt es eine Mindestgrenze, unter der nichts versteuert werden muss?
Nein. Die Merkblätter der Kantone Schwyz und Thurgau halten fest, dass ausländische Geldspielgewinne unabhängig von ihrer Höhe steuerbar sind.
Was passiert, wenn das Ausland schon Steuern abgezogen hat?
Viele Doppelbesteuerungsabkommen erfassen Geldspielgewinne nicht, darunter jene mit Deutschland, Frankreich und Italien. Eine Doppelbesteuerung ist möglich; die kantonale Steuerverwaltung gibt Auskunft im Einzelfall.
In welches Steuerjahr gehört der Gewinn?
In die Steuerperiode, in welcher der Anspruch entstanden ist, also am Tag des Spiels oder der Ziehung, nicht am Tag der Auszahlung.
Quellen
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